Bundeswettbewerb Jugend debattiert Schüler beweisen rhetorisches Geschick

Christian König (Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen), Bundessieger <i>Jugend debattiert</i> 2016
Christian König (Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen), Bundessieger Jugend debattiert 2016

Beim Debattieren lernen Schüler, eine eigene Meinung zu entwickeln und sie fair und sachlich zu äußern. Im Wettbewerb Jugend debattiert setzen sie sich fundiert mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander und schulen ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Interessierte Schulen aller Schularten können sich für eine Aufnahme ins Projekt bewerben.

Der Schülerwettbewerb Jugend debattiert ist eine Initiative des Bundespräsidenten und wird auf Bundesebene federführend von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung veranstaltet. Das Bayerische Kultusministerium fördert das Projekt in Bayern seit seinem Beginn im Schuljahr 2002/03. Es hat die Organisation des Wettbewerbs und die Lehrerfortbildung auf Landesebene in die eigene Verantwortung übernommen.

Grundprinzip des Projektes

Wettbewerb für wenige und Unterrichtseinheit für viele zugleich
Auf der einen Seite steht der Wettbewerb, der stufenweise vom Klassenentscheid bis zum Bundesfinale in Berlin aufgebaut ist. Auf der anderen Seite ist es ein besonderes Merkmal von Jugend debattiert, dass Lehrer im gesamten Klassenverband mit Hilfe didaktisch hervorragend aufbereiteter Materialien auch eine erstklassige inhaltliche Arbeit zu den Bereichen "Rhetorik", "Sprecherziehung" und "Debatte" leisten können.

Fortbildungen
Das Fundament dieser Arbeit sind qualifizierte Fortbildungen, die einmal jährlich stattfinden. Sie werden von speziell dafür ausgebildeten erfahrenen Projektlehrern (sog. Lehrertrainern) durchgeführt. Obligatorische Voraussetzung für jeden angehenden Projektlehrer ist eine dreitägige sog. Basisschulung. In den Folgejahren besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an eintägigen Aufbauschulungen, die nach Möglichkeit in jeder Region angeboten werden.

Definition der Debatte im Sinne von Jugend debattiert

Eine Debatte im Wettbewerb bei Jugend debattiert dauert insgesamt 24 Minuten. Es debattieren jeweils vier Personen (zwei pro, zwei contra - keine Teams!) über eine Streitfrage, die immer mit "soll" beginnt und die man eindeutig mit "ja" oder "nein" beantworten kann. Bewertet werden die Debatten von (mindestens drei) Juroren, ein so genannter "Zeitwächter" kontrolliert die Einhaltung der Redezeiten. Die Regeln der Debatte sind so gesetzt, dass sich ein überschaubares, lebendiges und sinnvolles Streitgespräch entwickeln kann.

Jeder Teilnehmer hat am Anfang (2 Minuten) und am Ende der Debatte (1 Minute) Zeit, ungestört seine Position zur Streitfrage darzulegen. In der dazwischen liegenden freien Aussprache ohne Moderator haben die Debattierenden 12 Minuten Zeit, ihre Argumente auszutauschen und auszuloten, ob ihre Positionen einander angenähert werden können und damit eine Lösung der aufgeworfenen Streitfrage herausgearbeitet werden kann. Es besteht aber keine Pflicht zur Einigung auf einen Kompromiss.
Ob man dabei seine persönliche Überzeugung oder eine andere Meinung vertritt, bleibt den Debattierenden freigestellt. Ebenso steht jedem frei, seine Position im Verlauf des Streitgesprächs zu ändern. Notwendig ist nur, dass jeder dem anderen aufmerksam zuhört, genau Bezug nimmt und nachvollziehbar begründet, was er den anderen vorträgt.

Bewertet wird der Beitrag jedes Einzelnen zum Gelingen des Gesprächs im Ganzen. Was der Einzelne beizutragen hat, zeigt sich erst im Zusammenwirken mit den anderen Teilnehmern der Debatte, es lässt sich nicht davon isolieren.
Die Bewertung richtet sich nach den folgenden vier Kriterien:

Sachkenntnis:  Weiß der Redner, worum es geht?
Ausdrucksvermögen:  Wie hat er, was er meint, gesagt?
Gesprächsfähigkeit:  Hat er zugehört und die Anderen berücksichtigt?
Überzeugungskraft:  Hat er, was er sagt, auch gut begründet?

Was sind die Ziele des Projektes?

  • Förderung der sprachlichen Kultur, insbesondere auch der Gesprächsfähigkeit, und der allgemeinen rhetorischen Bildung an den Schulen
  • Förderung der politischen Bildung und Stärkung der demokratischen Erziehung, mit dem Ziel der aktiven Teilnahme von Schülerinnen und Schülern am politischen Leben und an der gesellschaftlichen Meinungsbildung

Was sind die Vorzüge des Projektes?

  • schulartübergreifend für alle weiterführenden (allgemeinbildenden und berufsbildenden) Schulen, für Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 13 (14-21 Jahre)
  • fächerübergreifend: nach der Grundausbildung – oft im Fach Deutsch – in allen Fächern (u.a. Fremdsprachen, Gesellschaftswissenschaften, Naturwissenschaften) anwendbar
  • grundsätzlich mit ganzen Klassen/Kursen durchführbar; der Wettbewerb erwächst aus der Arbeit mit der ganzen Lerngruppe
  • Vermittlung von vielfältigen Schlüsselqualifikationen: rhetorische Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Präsentation etc.

Wie wird das Projekt organisiert?

  • Die Basis des Projekts ist ein Netz von Schulen aller weiterführenden Schularten, die sich in sogenannten "Regionalverbünden" (Zusammenschluss von bis zu 16 Schulen aus unterschiedlichen Schularten) organisieren.
  • Der Wettbewerb wird in zwei Altersgruppen ausgetragen, die den Sekundarstufen I und II entsprechen. Traditionell bedeutet das folgende Einteilung: zum einen 8. – 10. Klasse, zum anderen 11. – 13. Klasse. Für die Gymnasien im G 8 gilt aber ab dem Schuljahr 2009/10 folgende Grenze: 8. und 9. Klasse treten in der Sek I an, ab der 10. Klasse in der Sek II. Das Höchstalter beträgt für die Sek I 17 Jahre, für die Sek II 21 Jahre.

Wie viele bayerische Schulen nahmen bisher teil?

In Bayern erfolgte ein schrittweiser Ausbau des Projektes (vertretene Schularten: Gymnasium, Realschule, Mittelschule, Wirtschaftsschule, FOS / BOS). Die Zahl der teilnehmenden Schulen hat sich auf hohem Niveau stabilisiert:

  • 2002/2003 19 Schulen
  • 2003/2004 33 Schulen
  • 2004/2005 45 Schulen
  • 2005/2006 46 Schulen
  • 2006/2007 56 Schulen
  • 2007/2008 64 Schulen
  • 2008/2009 74 Schulen
  • 2009/2010 78 Schulen
  • 2010/2011 86 Schulen
  • 2011/2012 100 Schulen
  • 2012/2013 106 Schulen
  • 2013/2014 109 Schulen
  • 2014/2015 117 Schulen
  • 2015/2016 121 Schulen
  • 2016/2017 120 Schulen
  • 2017/2018 126 Schulen

Für das Schuljahr 2018/19 stehen bereits weitere Schulen auf der Warteliste.

Wie ist der Wettbewerb aufgebaut?

  • In jeder Projektschule sind zwei Lehrkräfte als Koordinatoren für die Organisation zuständig, die die übrigen Projektlehrkräfte regelmäßig informieren und mit ihnen die Durchführung des Schulwettbewerbs planen und organisieren.
  • In jeder Region sind zwei Lehrkräfte als Koordinatoren für die Organisation des Regionalwettbewerbs zuständig, der jeweils an einer der beteiligten Projektschulen stattfindet.
  • Jede Lehrkraft, die eine Basisfortbildung absolviert hat, führt in der Regel in mindestens einer Lerngruppe pro Schuljahr die Unterrichtseinheit durch, die bis Weihnachten mit einem internen Wettbewerb abschließt.
  • Im Januar richtet jede Projektschule mit den jeweiligen beiden Klassensiegern den Schulwettbewerb aus, dessen je zwei Sieger pro Altersgruppe sich für den Regionalwettbewerb qualifizieren.
  • Im Februar findet die Endrunde auf Regionalebene statt. Ab dieser Ebene findet die Qualifikation auf jeden Fall in 2 Runden statt, deren je 4 Punktbeste sich fürs Finale qualifizieren, so dass die Schüler jeweils 3 Themen für den Wettbewerb vorbereiten müssen.
  • Die beiden Erstplatzierten jeder Altersgruppe aus jeder Region qualifizieren sich für ein Seminar mit besonders qualifizierten Rhetoriktrainern sowie für den Landesentscheid, der in zwei Qualifikationsrunden in München ausgetragen wird. Das Landesfinale findet im Senatssaal des Bayerischen Landtags statt.

Wer kann am Wettbewerb teilnehmen?

  • Durch die Organisation in Regionalverbünden ist ein weiterer Ausbau des Schulnetzes möglich geworden. Die Obergrenze pro Region liegt bei 16 Schulen. Allerdings birgt ein zu schnelles Wachstum Risiken für die Effektivität der Wettbewerbsorganisation. Daher setzt das Staatsministerium auf einen schrittweisen kontinuierlichen Ausbau, der der Kapazität der Koordinatoren Rechnung trägt.
  • Interessierte Schulen können sich beim Landesbeauftragten um eine Teilnahme am Wettbewerb bewerben. Dieser wird dann versuchen, die neue Schule zu integrieren. Der Eintritt in das Projekt ist dabei grundsätzlich nur zu einem neuen Schuljahr möglich. Der Aufnahmeprozess beginnt im März oder April, damit die organisatorischen Vorbereitungen bewältigt werden können. Aufgrund der hohen Zahl an Bewerberschulen kann es aber keine Garantie geben, dass eine Schule im ersten Anlauf aufgenommen werden kann.
  • Schulen, die sich entschließen, am Projekt teilzunehmen, erklären zu Beginn schriftlich in Form einer Zielvereinbarung, dass sie für die erforderlichen Rahmenbedingungen innerhalb der Schule sorgen werden.
  • Die Schulleitungen und KollegInnen gemeinsam bemühen sich darum, Jugend debattiert zu einem festen Bestandteil des Schulprofils zu machen. Im Idealfall bedeutet dies, neben der jährlichen Durchführung des Projektes in möglichst vielen Klassen, z.B. die dauerhafte Einrichtung eines Debattierclubs, der möglichst vielen interessierten Schülern die langfristige Schulung der bei Jugend debattiert vermittelten Fertigkeiten ermöglicht (Multiplikationseffekt, Nachhaltigkeit).

Wer ist der Träger des Wettbewerbs?

Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Grüneburgweg 105
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 660 756 – 146
E-Mail: jd@ghst.de
Homepage: www.jugend-debattiert.de

Wer ist Ansprechpartner in Bayern?

Landesbeauftragter:
StD Wolfgang Poeppel
Rudolf-Diesel-Gymnasium
Peterhofstr. 9
86163 Augsburg
Tel: 0821/2629430 (privat)
E-Mail: WolfgangPoeppel@t-online.de (privat)

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